Die Grundsätze elementarer Bildung

Einleitung
Kinder beginnen von Geburt an, sich ein Bild von der Welt zu machen. Sie nutzten dafür alle Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, die Ihnen die Umwelt bereitstellt. In der frühen Kindheit stehen die Eltern und das familiäre Umfeld im Zentrum, später erweitert die Kindertagesbetreuung durch die Schaffung vielfältiger und anregungsreicher Bildungsmöglichkeiten den Erfahrungsraum der Kinder. Dabei sind folgende Bildungsbereiche von großer Bedeutung:

 

Körper, Bewegung und Gesundheit
Die kindliche Aneignung der Welt ist auf Körpererfahrung angewiesen. Die motorische Entwicklung von Kindern ist eine wesentliche Voraussetzung für ihre intellektuellen, sozialen und sprachlichen Entwicklungsschritte. So ist es zum Beispiel nachgewiesen, dass Sport und regelmäßige Bewegung dabei helfen können, die Schulleistungen von Kindern zu verbessern. Grundvoraussetzung für eine altersgerechte Entwicklung ist ein gesundes Kind. Gesundheit wird als Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefinden definiert.

Bild von einem Mädchen welches sich sportlich betätigt.

Beispiele:

  • Auf der Kletterburg lernen die Kinder, ihre Schritte gezielt zu setzten und durch die richtige Hand-Fuß-Koordination den Halt nicht zu verlieren.
  • Dreiräder, Roller und Bobby-Cars geben die Möglichkeit, zwischen langsamen und schnellen Bewegungen zu wechseln oder laden zu einem Wettrennen ein. Selbst ein kleiner Sturz ist hier pädagogisch sinnvoll: das Kind lernt die Geschwindigkeiten einzuschätzen und wird beim nächsten Mal eher bremsen oder nicht so schnell um die Kurve rasen.
  • Beim gemeinsamen Schaukeln auf der Wippe lernen die Kinder, ihr Körpergewicht einzusetzen und anderen zu vertrauen.
  • Auch das Spielen im Sandkasten bietet Raum für vielseitige Erfahrungen:
    Wie fühlt sich Sand auf der Haut an? Schmeckt mein Sandkuchen?

Die Kinder dürfen sich frei bewegen. Ich gebe lediglich Anregungen und Hilfestellungen und greife ein, wenn die Gesundheit der Kinder gefährdet ist. Das fördert das Selbstvertrauen sowie das Vertrauen in andere. Voraussetzung für eine ausreichende Bewegung an der frischen Luft ist wettergerechte Kleidung, im Herbst zum Beispiel Matschhosen und Gummistiefel.

 

Sprache, Kommunikation und Schriftkultur
Bild von einem Spielzeugkäfer.Jedes Kind lernt sprechen, das eine früher, das andere später. Ein Säugling macht sich durch schreien, weinen und strampeln bemerkbar. Später durch gurren, lachen und lallen. Gegen Ende des ersten Lebensjahres bildet das Kind sein erstes Wort, bis zur Mitte des zweiten Lebensjahres verfügen die meisten Kinder über etwa 50 Wörter. Im sprachlichen Umgang miteinander und mit Erwachsenen lernen Kinder immer mehr zu verstehen, sich mitzuteilen, zuzuhören und nachzufragen. Frühe Erfahrungen mit den verschiedenen Facetten der Lese-, Erzähl- und Schreibkultur fördern den sprachlichen Bildungsprozess.

Beispiele:

  • Die Kinder haben freien Zugang zu vielen verschiedenen altersgerechten Büchern. Die Verknüpfung von Bildern und Wörtern fördert die Sprachentwicklung: Das Kind erkennt Personen, Gegenstände, Gefühle und Situationen wieder und benennt sie.
  • Durch kleine Reime und Gedichte lernen die Kinder spielerisch den Umgang mit der Sprache.
  • Selbst ausgedachte Geschichten regen die Phantasie an.

Die Sprachentwicklung jedes einzelnen Kindes liegt in der Verantwortung der Eltern sowie der Tagespflegeperson. Sprechen lernt Ihr Kind nur durch das Sprechen selbst. Erwachsene müssen die Kinder dabei mit viel Einfühlungsvermögen unterstützen.

 

Musik
Musik ist ein zentraler Bestandteil menschlicher Kultur und Grunderfahrung des Menschen. Schon vor der Geburt erleben Kinder den Rhythmus des Herzschlags und können hören. Die Musik hat einen positiven Einfluss auf die geistige, seelische und emotionale Entwicklung des Kindes.

Beispiele:

Bild von einer kleinen Holztrommel.

  • Musik zur Förderung der Sprache: Beim Abspielen altersgerechter Musik können die Kinder mitsummen bzw. mitsingen. So merken Sie sich spielerisch einzelne Strophen oder sogar ganze Lieder.
  • Musik schafft verschiedene Stimmungen: Schnelle und laute Musik fördert die Bewegung, Entspannungsmusik dagegen beruhigt.
  • Mit Hilfe von Musikinstrumenten erlernen die Kinder Taktgefühl, Rhythmus und verschiedene Lautstärken. Dabei können aber auch ganz gewöhnliche Dinge wie zum Beispiel ein Topf und ein Löffel als Musikinstrumente dienen.

 

Darstellen und Gestalten
Bild von einer Spielzeugschlange.Alle kreativen Tätigkeiten von Kindern sind eng mit dem Verstehen der Welt verbunden. Indem Sie zeichnen, malen und mit Knete, Wasser oder Papier experimentieren, verarbeiten Sie ihre Erlebnisse und verleihen ihren Eindrücken einen bleibenden Ausdruck. Dabei sind vor allem jene Materialien anregend, die einen großen Gestaltungsrahmen bieten. So werden die Kinder in ihren Möglichkeiten nicht eingeengt und können sich frei entfalten.

Beispiele:

  • Beim freien Zeichnen mit verschiedenen Farben (Stifte, Fingermalfarben) wird die Phantasie der Kinder angeregt.
  • Die Kinder können kleine Figuren wie Bälle oder Tiere aus Knete formen. Sie schaffen dabei ihr eigenes Abbild der Wirklichkeit. Sie lernen verschiedene Proportionen und Größen einzuschätzen.
  • Beim Spiel mit Handpuppen können die Kinder in die Rollen anderer Personen schlüpfen. Das fördert den Einfallsreichtum und gibt ihnen die Möglichkeit, sich in andere hineinzuversetzen.
  • Je nach Jahreszeit können die Kinder mit Naturmaterialien basteln, im Herbst zum Beispiel werden Kastanien und Eicheln zu kleinen Figuren und Tieren.

 

Mathematik und Naturwissenschaft
Bild von einem Kind neben einem Spielzeugturm.Überall in seiner Umwelt trifft das Kind auf Zahlen, Mengen und naturwissenschaftliche Phänomene, die es interessieren und mit denen es sich ganz konkret und auf seine Art beschäftigen möchte. Aufgabe der Erzieherin ist es, die Kinder in ihren Experimenten zu unterstützen, mit Fragen Neugier auszulösen und gemeinsam mit den Kindern naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu ergründen.

Beispiele:

  • Beim Bauen mit Bausteinen lernen die Kinder verschiedene Farben, Formen und Größen kennen. Durch Sortieren der Bausteine zum Beispiel nach Farben beginnen Sie die Welt zu ordnen und aufzuteilen. Es entwickelt sich auch ein erstes Mengenverständnis. Wie viele rote Bausteine habe ich und wie viele Blaue?
  • Beim Einkaufen im Kaufmannsladen lernen die Kinder den Umgang mit Geld.
  • Die Katzen in unserem Garten machen neugierig und regen die Kinder an Fragen zu stellen, um ihre Umwelt zu verstehen: Welche Farbe haben die Katzen? Warum gibt es kleine und große? Warum kann ich die eine streicheln und warum hat die andere Angst vor mir?

 

Soziales Leben
Die Entwicklung der sozialen Kompetenzen nimmt ihren Ausgang in der Bindung zwischen dem Kind und seinen Eltern. Mit zunehmendem Alter wird diese Bindung lockerer und flexibler, insofern das Kind die Erfahrung macht, dass es in unsicheren Situationen zu den vertrauten Personen zurückkehren kann. Von dieser Basis aus beginnt das Kind, sein eigenes Ich zu erfahren, indem es eigene Bedürfnisse und Interessen ausdrückt, sie mit denen anderer Menschen vergleicht und Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdeckt. Bild von einem Teddybären. Das Selbst und die anderen stehen damit in einem wechselseitigen Zusammenhang. Um allerdings das Zusammenleben in einer Gruppe zu ermöglichen, müssen sich alle an bestimmte Regeln halten: Dabei sind andere nicht zu verletzen, anderen nichts weg zunehmen oder das Eigentum von anderen nicht zu zerstören Grundprinzipien des Zusammenlebens, die im Allgemeinen nicht verhandelbar sind.(Moralische Regeln) Verhandelbar dagegen ist zum Beispiel folgende Frage: Darf ich meinen Turm bis morgen stehen lassen? Diese Regelungen werden aufgrund äußerer Gegebenheiten aufgestellt – da der Tisch möglicherweise zum Mittagessen frei geräumt werden muss, kann der Turm nur auf dem Boden stehen bleiben - und dienen nicht dem Allgemeinwohl. (Konventionelle Regeln) Das Verstehen und Akzeptieren von Normen, Werten und Regeln wird nur gefestigt, indem mit anderen Kindern verhandelt und vielleicht auch gestritten wird.

Beispiele:

  • Die Kinder können Buden bauen und sich so einen Rückzugsraum für sich ganz alleine oder auch zu zweit schaffen.
  • Beim Spiel mit Puppen lernen Kinder, Verantwortung für andere zu übernehmen und auf die Gefühle und Bedürfnisse anderer einzugehen.
  • Die Kinder werden ermuntert bei den täglichen Aktivitäten wie Tischdecken oder Spiele vorbereiten aktiv mit zu wirken. Dies fördert die Selbständigkeit und das Verantwortungsgefühl. Es erfüllt die Kinder mit Stolz, wenn sie die Teller auf den Tisch gestellt haben, ohne dass einer herunterfällt.
  • • Jedes Kind hat einen eigenen Haken für seine Jacke sowie ein Fach für die Schuhe, welche mit einem Bildchen gekennzeichnet sind. So erfahren die Kinder den Unterschied zwischen „meins“ und „deins“.